Am Montag, den 20. April 2026, ist der Nachwuchs von Fridolin und Mai geschlüpft. Bei kühlen Temperaturen von 4°C und Regen, konnten die Mitarbeitenden des NABU-Artenschutzzentrum Leiferde zwei kleine Jungstörche im Nest entdecken: „Fridolin kam zum Nest geflogen und wir konnten eine Fütterung beobachten. Diese dauerte aber nicht lange, da durch die kalte und nasse Witterung die kleinen Störche gleich wieder bedeckt und damit warmgehalten wurden“, erzählt die Leiterin des Artenschutzzentrums Bärbel Rogoschik.
Das Wetter ist zwar kalt, aber gerade durch das feuchte Wetter finden die Storcheneltern genügend Regenwürmer, Schnecken und Co., um die frischgeschlüpften Störche zu füttern. Insbesondere in den ersten zwei Wochen hängen die Überlebenschancen der Jungen entscheidend vom Nahrungsangebot ab.
Das Team aus dem Artenschutzzentrum vermutet, dass die Kleinen bereits am Wochenende zu schlüpfen begannen und in der nächsten Zeit eventuell noch weitere Jungstörche folgen könnten.
„Wir freuen uns riesig“, berichtet Rogoschik, „dann haben die Besuchenden des Storchenfestes am kommenden Sonntag, den 26. April, die Möglichkeit auf ihrem Handy, per Webcam oder bei der Kuchenauswahl im Seminarraum am Bildschirm mitzuverfolgen, wie die Elterntiere Fridolin und Mai ihre kleinen Störche versorgen“.
Auch in den weiteren zwei Nestern auf dem Gelände des Zentrums, ist stündlich mit Nachwuchs zu rechnen. Somit beginnt für die Storcheneltern die anstrengende Zeit, sich permanent um Futternachschub für ihren Nachwuchs zu kümmern.
Während die heiße Phase der Vorbereitungen für das Storchenfest im vollen Gange ist, hat am Wochenende auch für die Mitarbeitenden des Artenschutzzentrums die Jungvogelsaison begonnen: Finderinnen und Finder haben erste junge Amseln im Zentrum abgegeben, die stündlich zu füttern sind.
Wer es nicht zum diesjährigen Storchenfest am 26. April ins Artenschutzzentrum Leiferde schafft, kann dies täglich im Sommer von 9 bis 18 Uhr besuchen. Es besteht die Chance, den Nachwuchs live durch ein Fernglas oder die eigene Kamera sehen zu können. Mit ihrem Mitgliedsausweis erhalten NABU-Mitglieder sowie Mitglieder des Förderkreises des NABU-Zentrums freien Eintritt. Ohne Mitgliedschaft ist der Einlass gegen eine Gebühr von 4 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder möglich. Alternativ lässt sich der Nachwuchs – wie jedes Jahr – von überall aus live per Webcam des NABU-Artenschutzzentrums beobachten.

Entgegen der Hoffnung auf sinkende Pflegetierzahlen, schnellte die Anzahl der Pflegetiere im Jahr 2025 mit 4.636 Tieren aus 210 Arten auf einen neuen Rekordwert empor und dass, obwohl das Zentrum ab dem 25. Oktober aufgrund der Vogelgrippe nur noch eingeschränkt Vögel aufnehmen konnte.
„Die Hauptursachen für die hohen Pflegetierzahlen“ erläutert Bärbel Rogoschik „waren zum einen auf eine äußerst hohe Anzahl an beschlagnahmten Tieren (649) zurückzuführen zum anderen auf eine Hitzeperiode Mitte des Jahres, bei dem allein an einem einzigen Tag 115 Notfälle aufgenommen werden mussten“.
Trotz neuem Höchstrekord: Zahl der Singvögel rückläufig
So wurden im Jahresverlauf 2.972 einheimische Vögel aufgenommen, wobei die Anzahl der Singvögel rückläufig war. Zu den häufigsten Vogelarten zählten 535 Ringeltauben, 381 Mauersegler, 303 Haussperlinge, 225 Mehlschwalben und 142 Rauchschwalben. Während die Zahlen der Ringeltauben seit 2017 stetig ansteigen und die warmen Herbstmonate die Brutzeiten deutlich verlängern, sind die hohen Zahlen der anderen aufgeführten Vogelarten, die am Haus bzw. unter dem Dach brüten, auf die hohen Temperaturen am Neststandort zurückzuführen und der damit einhergehende Sprung in die Tiefe.
Zu den selteneren gepflegten Vogelarten zählten beispielsweise ein Zwergtaucher mit Kopfwunde, ein Singschwan mit leichtem Trauma, ein komplett abgemagerter Seeadler mit alten Brüchen, eine Steppenmöwe mit verschlucktem Angelhaken oder ein abgemagerter, mit einem Auto kollidierter, Bienenfresser.
Säugetiere auf hohem Niveau, Igel rückläufig
Auch die Zahl der aufgenommenen Säugetiere lag auf einem sehr hohen Niveau mit 669 aufgenommenen Tieren in 26 Arten. Interessanterweise lag die Anzahl der aufgenommenen Igel mit 383 Tieren um 120 Tiere unter denen des Vorjahres. Dazu kamen als häufigere Tierarten noch 68 Eichhörnchen, 63 Zwergfledermäuse und 29 Siebenschläfer.
Reptilienaufnahme bei Riesenschlangen und Schildkröten ständig an der Kapazitätsgrenze, Rekordwert bei Fischen
Die Zahl der gepflegten Reptilien (und Amphibien) lag mit 384 Tieren aus 46 Arten auf einem „normalen“ Niveau. Das hat zum einen mit dem Projekt der Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröten zu tun, zum anderen sind es Kapazitätsgründe, die eine Aufnahme von Reptilien über ein bestimmtes Maß hinaus, unmöglich machen. Die größte Gruppe besteht alljährlich aus Schildkröten (in 17 Arten), die sowohl eingezogen als auch als Fundtiere im Zentrum landen. Die Aufnahme von Riesenschlangen als auch dauerhaft kranken Landschildkröten ist seit Jahren ein Problem, da eine Vermittlung solcher Tiere einem Lottogewinn gleichkommt.
Einen zahlenmäßigen Rekordwert gab es im vergangenen Jahr bei den Fischen, die mit 487 Exemplaren sehr deutlich zu Buche schlugen.
1.666 Tiere aus dem Landkreis Gifhorn
Die meisten Tiere stammten im Vorjahr aus dem Landkreis Gifhorn mit bisher noch nie erreichten 1.666 Tieren. Dem folgte Braunschweig mit 514 Notfällen, Peine mit 497, Hannover mit 383 und Wolfsburg mit 269 Individuen. Insgesamt wurden Notfälle aus 46 Landkreisen oder kreisfreien Städten aus insgesamt 8 Bundesländern oder Stadtstaaten eingeliefert.
Umweltbildungsangebote gut gebucht
„Seit je her hat die Umweltbildung einen hohen Stellenwert im NABU-Artenschutzzentrum“, berichtet der erste Vorsitzende des Förderkreises Uwe-Peter Lestin. „Im Rahmen dessen fanden 95 Veranstaltungen statt, bei denen das Storchenfest wie jedes Jahr ein großartiges Ereignis darstellte. In diesem Jahr findet das Fest am 26. April 2026 von 11.00 bis 17.00 Uhr statt. Diesen Termin kann man sich schon einmal vormerken“.
Durch menschlichen Einfluss verunglücken täglich Wildtiere in großer Zahl. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) nimmt dies als ethische Verpflichtung und hat mit dem NABU - Artenschutzzentrum Leiferde, im Landkreis Gifhorn gelegen, eine Einrichtung geschaffen, die wirkungsvoll helfen kann.
Das Zentrum wurde 1980 auf dem Gelände einer alten Molkerei gegründet, dessen Hauptziel es ist, hilfsbedürftige einheimische Wildtiere, hauptsächlich Vögel, zu pflegen und so schnell wie möglich geheilt in ihre natürlichen Lebensräume zu entlassen. Nicht alle überleben die Folgen eines Unfalls und können wieder ausgewildert werden. Diejenigen, bei denen keine Auswilderung mehr möglich ist, werden an öffentliche Einrichtungen weitervermittelt oder bleiben als "Dauergast" in Leiferde. Die Funktion als Betreuungsstation für Wildtiere umfasst auch die Aufgaben einer staatlich anerkannten zentralen Storchenpflegestation für Niedersachsen.
Darüber hinaus nimmt das NABU - Artenschutzzentrum exotische Wildtiere wie z.B. Papageien, Schildkröten und Schlangen auf, die wegen Verstoßes gegen die Artenschutz- oder Tierschutzgesetzgebung behördlich beschlagnahmt worden sind. Förderung für diese Aufgaben erhält das NABU-Artenschutzzentrum als anerkannte Betreuungsstation, vom Land Niedersachsen, vertreten durch das NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz).
Insgesamt wurden im letzten Jahr über 4.185 Tiere im Artenschutzzentrum in 198 Arten gepflegt. Das bedeutet für die Mitarbeiter, dass rein rechnerisch ca. alle 2:06 Stunden, Tag und Nacht, Sonn- oder Feiertag ein neuer Pflegling aufgenommen wird.
Um die Bevölkerung für den Naturschutz zu sensibilisieren, erhält die umweltpädagogische Arbeit des NABU - Artenschutzzentrums zunehmende Bedeutung. Täglich werden hier Auskünfte erbeten, Materialien angefordert und Kontakte vermittelt. Für Besucher aus ganz Deutschland ist das NABU - Artenschutzzentrum ein beliebtes Ausflugsziel geworden.