Graureiher im NABU-Artenschutzzentrum

 

Die im Winter eingelieferten Graureiher sind allesamt sehr geschwächt, da die Futteraufnahme durch Schnee oder zugefrorene Gewässer nur eingeschränkt möglich ist.

 

Im übrigen Jahr sind die Ursachen Anflugtraumen die meist ein Schädel-Hirn-Trauma zur Folge haben oder Brüche der Extremitäten.

Da die Nahrungsbeschaffung meist in Wassernähe stattfindet und niedrige Gräben, Seen und Teiche durchschritten werden, ist das Hängenbleiben in Schnüren oder ähnlichem Unrat nicht selten. Dies kann zur Abschnürung von Gliedmaßen (Flügel, Bein) führen und für den Vogel sehr schmerzhaft bis tödlich enden.

 

Noch gut im Gedächtnis ist ein Graureiher, der von uns aus einem Tellereisen, an einem privaten Fischteich aufgestellt, herausgeholt wurde. Sein Bein war nur noch durch einen Hautfetzen mit dem Körper verbunden.

 

 

Wussten Sie?

Der Graureiher ist die häufigste Reiherart in Mitteleuropa.

 Graureiher fliegen mit einem s-förmig gekrümmten Hals und sind so gut von fliegenden Störchen oder Kranichen zu unterscheiden.

 Weibliche und männliche Graureiher tragen dasselbe Gefiederkleid – lediglich die Schmuckfedern am Hinterkopf sind bei Weibchen manchmal etwas kürzer.

 

Graureiher sind am Tag und bis in die späte Dämmerung aktiv und halten sich häufig an Ufern von Flüssen, Seen und Teichen, an Küstenlagunen und auf Wiesen oder Äckern auf. Ihre Nahrung besteht normalerweise aus Fischen und Fröschen, aber auch Großinsekten, Mäusen und sogar Entenküken oder anderen Jungvögeln.
https://www.youtube.com/watch?v=lBvkVOBf4DY

 

 

Graureiher brüten meist auf Bäumen in Kolonien. Ihr Nest gleicht einem Reisighaufen im Baumwipfel.

Es werden normalerweise drei bis fünf bläulich-grüne Eier gelegt, die ca. 25 Tage sowohl von Männchen als Weibchen gebrütet werden. Die Küken werden nach dem Schlüpfen von beiden Eltern versorgt – bis sie nach ca. 7-8 Wochen flügge werden.

Nur etwa ein Drittel der jungen Vögel überlebt das zweite Lebensjahr. https://www.youtube.com/watch?v=L3imjUf7XzI

 Kehren sie nach der Jagd zu ihrem Partner in der Kolonie zurück, müssen Graureiher am Nest zuerst ein ausgiebiges Begrüßungsritual absolvieren. Erst dann darf der Rückkehrer wieder ins Nest, ohne vom Partner als Eindringling behandelt zu werden.

 Die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn beträgt etwa 5 Jahre.

Menschen und Weißstörche

Früher wurden die Bestände stark dezimiert, da Graureiher Fischern oft ein Dorn im Auge waren.

 Durch die Verunreinigung bzw. Belastung von Gewässern mit Schadstoffen sowie der Trockenheit der letzten Jahre die teilweise zur Austrocknung von stehenden Gewässern geführt hat, zwingt den Graureiher zur Eroberung neuer Lebensräume. In Städten wie Amsterdam sind sie durchgehend präsent und haben sich an das Stadtleben angepasst.

 

Da der Graureiher meist im Flachwasser seine Nahrung sucht, erbeutet er dort nur wirtschaftlich unbedeutende Fischarten. Viele Besitzer von Gartenteiche schätzen diesen schönen Vogel nicht, da er in den meist kleinen, flachen Teichen die farbprächtigen Goldfische oder sogar kleine Kois erbeutet. Dies ist für den Graureiher ein leichtes Unterfangen, da ihm die Nahrung quasi auf dem Sibertablett dargeboten wird. (Wer backt Zuhause seine Brötchen selber, wenn er Hunger hat und die nächste Bäckerei um die Ecke ist.)

 Der Reiher war im alten Ägypten ein heiliger Vogel. Der Legende nach erschien ‚Benu‘ zum Zeitpunkt des Urbeginns, als sich das Land aus dem Wasser erhob.

 

 Der Graureiher hat aktuell den Status ‚nicht gefährdet‘ (IUCN).

 

Buchempfehlung

 Dr. Gerhard Creutz: Der Graureiher

Der Graureiher ist der einzige Vertreter der stammesgeschichtlich alten, artenreichen Familie der Reiher, der außer Rohrdommel und Zwergrohrdommel auch in Deutschland Brutvogel ist. Er begeistert jeden Naturfreund immer wieder als eine der letzten Großvogelarten, die unserer Heimat erhalten geblieben sind. Ehedem als Beizwild der "Hohen Jagd" weltlicher und geistlicher Fürsten vorbehalten und den Schutz ihrer Gunst genießend, wurde der Graureiher zu anderen Zeiten zum Fischdieb erniedrigt und gnadenlos verfolgt bis zum Verschwinden in manchen Landschaften. Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über die Lebensweise des Graureihers, aufbauend auf dem neuesten Stand der Beobachtungen, Untersuchungen und Beringungsergebnisse. Es möchte als sachlicher Ratgeber bei Auseinandersetzungen der verschiedenen Interessenrichtungen dienen, bei der Begründung gesetzlicher Bestimmungen und bei Maßnahmen des Naturschutzes behilflich sein.

 

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Hier finden Sie mehr Information dazu:   https://www.nabuzentrum-leiferde.de/helfen/