Wir über uns

Das NABU-Artenschutzzentrum stellt sich vor

Jahresbilanz 2017

Mit 2.414 Tieren aus 181 Arten wurden im vergangenen Jahr die zweitmeisten Tiere in einem Jahr seit der Gründung des NABU-Artenschutzzentrums im Jahr 1980 versorgt. Es ist gut möglich, dass sogar der Höchststand aus dem Jahr 2008 (2.486 Tiere) erreicht worden wäre, wenn nicht vogelgrippebedingt zu Anfang des Jahres bis Mitte Februar keine Vögel aufgenommen werden konnten.

 

„Auf die Anzahl der Vögel sind die gestiegenen Pflegetierzahlen jedoch nicht so sehr zurückzuführen“, wie Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums, erläutert, „vielmehr hatten wir im Bereich der Reptilien einen starken Zuwachs, der neben dem Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte vor allem auf einige Beschlagnahmungen zurückzuführen war. Insgesamt wird uns die Gruppe der Reptilien auch in Zukunft vermutlich noch sehr beschäftigen, da die Haltung solcher Tiere in Privathand nach wie vor äußerst beliebt ist“.

Die größte Gruppe zu versorgender Tiere wurde wie jedes Jahr von den einheimischen Vögeln gebildet, die es auf 1.381 Tiere aus 91 Arten brachten. Hiervon war fast genau jeder zehnte ein Greifvogel, was in etwa dem langjährigen Schnitt entspricht. Wie schon im Jahr zuvor war der Turmfalke die häufigste Greifvogelart, diesmal mit 65 Individuen. Bei den Eulen wurden 37 Tiere aus 6 Arten gepflegt. Unter ihnen befanden sich auch 10 Waldkäuze, dem „Vogel des Jahres 2017“.

 

Ebenfalls in höherer Zahl  war der Weißstorch als Pflegling im NABU-Artenschutz-zentrum vertreten (42 Individuen), was sicherlich mit dem auf Rekordniveau befindlichen Weißstorchbestand im Freiland in Verbindung zu bringen ist (918 Paare in Niedersachsen und Bremen). Anlass zur Sorge bereitet hier der Nahrungserwerb einiger Störche, denn zum wiederholten Male kam es zu Problemen mit aufgenommenem Müll. „Wir haben wieder einen Storch bekommen, der im Laufe der Behandlung zahlreiche Gummibänder ausgewürgt hat. Das gleiche hatten wir auch schon 2015 bei einem Storch, der fast an den Bändern erstickt wäre. Zudem wurden auch schon weitere Störche in unserer Region beobachtet, wie sie Gummibänder aufgenommen oder ausgewürgt haben. Wahrscheinlich verwechseln sie diese mit Würmern oder ähnlichem Getier“, vermutet Rogoschik.

 

Die häufigste Art unter den Wildvögeln war einmal mehr die Amsel, die es auf 159 Individuen brachte. Ein guter Beleg dafür, dass der Usutu-Virus, der vor allem in Süddeutschland für hohe Ausfälle bei dieser Art verantwortlich ist, in unserer Region noch nicht für größere Schäden gesorgt hat.

 

Erstmals mehr als 500 Reptilien

 

Erstmals in der Geschichte des Zentrums wurden über 500 Reptilien versorgt (539 Tiere/38 Arten). Verantwortlich für diese hohe Zahl ist zum einen das Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte, in dessen Rahmen mit  115 neu ausgewilderten Tieren sich die Gesamtzahl ausgewilderter Tiere nunmehr auf 242 Individuen beläuft. Zum anderen fanden im vergangenen Jahr einige Beschlagnahmungen statt, bei denen knapp 80 Tiere behördlich eingezogen wurden. Innerhalb der Beschlagnahmungen stach ein Fall hervor, bei dem allein knapp 60 Landschildkröten aus tierschutzrechtlichen Gründen eingezogen werden mussten.

 

Auch bei den Säugetieren gab es einen Anstieg der Pflegetierzahlen auf nun 419 Tiere aus 24 Arten. Besonders Igel (222 Individuen) hatten mit der Witterung zu kämpfen, da sich bis zum Jahresende kein wirklicher Winter einstellen wollte. So kam es, dass dem NABU-Artenschutzzentrum bis zum Jahresende Igel zugetragen wurden, die den Sprung in die Winterruhe noch nicht geschafft hatten.

 

 

13 Wildkatzen in Pflege

 

Auch bei den Säugetieren gab es einen Anstieg der Pflegetierzahlen auf nun 419 Tiere aus 24 Arten. Besonders Igel (222 Individuen) hatten mit der Witterung zu kämpfen, da sich bis zum Jahresende kein wirklicher Winter einstellen wollte. So kam es, dass dem NABU-Artenschutzzentrum bis zum Jahresende Igel zugetragen wurden, die den Sprung in die Winterruhe noch nicht geschafft hatten.

Für eine große Überraschung sorgten ein ganzer Schwung (junger) Wildkatzen (13 Ind.), die aus unterschiedlichen Gründen versorgt werden mussten. Wenn man die Anzahl der Pflegetiere dieser Art in Beziehung zur Anzahl der freilebenden Wildkatzen setzt, so ist von einer weitergehenden Ausbreitung der Art auszugehen.

 

 

Die höchste Anzahl Pflegetiere aus dem Landkreis Gifhorn

 

Mit 669 Tieren stammen die meisten Pflegetiere wie jedes Jahr aus dem Landkreis Gifhorn. Der Grund ist natürlich, dass auch das NABU-Artenschutzzentrum im Landkreis Gifhorn beheimatet ist, was mit kurzen Anfahrtswegen gleichzusetzen ist. Es ist nachvollziehbar, dass die Anzahl der Pflegetiere mit zunehmender Entfernung zum Zentrum schrumpft. Insgesamt erreichten das Zentrum die Tiere jedoch aus immerhin 45 Landkreisen oder kreisfreien Städten aus 9 verschiedenen Bundesländern oder Stadt-Staaten.

 

Die Gründe für die Einlieferung von Pflegetieren in das NABU-Artenschutzzentrum sind erfahrungsgemäß unterschiedlichster Natur. Den traditionell größten Block stellen die verwaisten Tiere (761 Individuen), gefolgt, von den Kollisionsopfern (235 Individuen), Tiere, denen durch andere Tiere Verletzungen zugefügt wurden (153 Individuen), Zivilisationsopfern (ebenfalls 153 Individuen), und den entwichenen oder ausgesetzten Tieren (143 Individuen). Danach folgt, mit immerhin 129 Tieren, die Gruppe der behördlich eingezogenen Tiere. In den vergangenen Jahren lag die Zahl der beschlagnahmten Tiere immer deutlich unter der 100er-Grenze, was laut Mitarbeiter Joachim Neumann aber nicht am eigentlichen Beschlagnahmungsbedarf liegt: „Wir haben nach wie vor eine Gesetzeslage, die eine Kontrolle der im Umlauf befindlichen Tiere geschützter Arten gar nicht möglich macht, da deren Aufenthaltsorte den Behörden größtenteils nicht bekannt sind. Nach gängigem Recht sind die Käufer solcher Tiere verpflichtet, sie ordnungsgemäß anzumelden, was in den meisten Fällen aber unterbleibt. Weitaus besser wäre es, wenn die Verkäufer geschützter Arten die Käufer bei der Behörde melden müssten.“

 

Die Auswertung der Einlieferungszeiten hat einmal mehr ergeben, wie wichtig es ist, dass das NABU-Artenschutzzentrum rund um die Uhr erreichbar ist. Etwa jedes dritte Tier wurde außerhalb der regulären Öffnungszeiten von 9:00-17:00 Uhr eingeliefert.

 

Veranstaltungen sind wichtiger Baustein

 

Neben der Tierpflege ist für das NABU-Artenschutzzentrum die Umweltbildung ein wichtiges Aufgabenfeld. So fanden 127 Veranstaltungen mit 2.152 Teilnehmern statt. Die häufigsten Veranstaltungen waren 37 Seminare, gleichauf mit 37 Kindergeburtstagen. Darüber hinaus wurden 28 Führungen oder Exkursionen durchgeführt, der Kiki-Klub traf sich 20 Mal in jeweils 2 Gruppen.

 

Uwe-Peter Lestin, der Vorsitzende des Förderkreises des NABU-Artenschutzzentrums, zeigte sich einmal mehr begeistert vom Storchenfest, welches jedes Jahr im April stattfindet: „Es ist kaum zu glauben. Jedes Jahr freuen wir uns über das Storchenfest und denken, besser kann es nicht werden. Und dann findet das Fest ein Jahr später wieder statt und man stellt fest, dass noch mehr gutgelaunte Menschen gekommen sind und dem Fest irgendwie immer noch einen draufsetzen. Dieses Jahr findet das Storchenfest am 22. April statt. Ich bin schon sehr gespannt, was hier dann wieder auf die Beine gestellt wird.“

 

 

 

 

Jahresbilanz 2016

Mit 2.325 zu versorgenden Tieren aus 172 Arten hatten die Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums auch im vergangenen Jahr 2016 wieder alle Hände voll zu tun. Damit stieg die Anzahl der Pflegetiere im Vergleich zum Vorjahr um 156 Tiere (Erhöhung im Jahr 2015 um 277 auf 2.169 Pflegetiere) an. Dabei hätte diese ohnehin schon sehr hohe Zahl noch höher ausfallen können, wenn es nicht durch die Vogelgrippe einen Aufnahmestopp für Vögel gegeben hätte. „Dieses Thema hat uns bis vor kurzem sehr beschäftigt“, berichtet Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums „immerhin hatten wir zu diesem Zeitpunkt um die hundert Vögel, die eingesperrt werden mussten. Das Gelände wurde für Besucher geschlossen, also fielen auch die Einnahmen weg und es gab zahlreiche Anfragen von Behörden, Tierärzten und Bürgern, wohin sie jetzt Vögel bringen sollten.

Die größte Artengruppe war im vergangenen Jahr wieder die der heimischen Vögel mit 1.387 Tieren aus 88 Arten. Der Anteil der Greifvögel lag hierbei mit 163 Tieren aus acht Arten etwas über dem langjährigen Schnitt, wobei selbiges in der Zahl der Turmfalken seine Begründung findet, die es allein schon auf 79 Individuen brachten. Dem Trend der letzten Jahre folgend, verfehlten die Eulenartigen mit nur 33 Tieren aus vier Arten den langjährigen Durchschnittswert deutlich.

Der Wappenvogel des Naturschutzbundes der Weißstorch wurde in 33 Exemplaren gepflegt. Bei allen Jungstörchen war im Gefieder zu erkennen, dass ihre Nahrungsgrundlage im Wachstum nicht die beste war und dies zum Teil, durch den dadurch bedingten Futterstress der Altvögel, zum Abwurf eines Jungstorches kam. Auch wurden drei Jungstörche mit leichten Schnabeldeformationen eingeliefert, deren Ursache unbekannt war und deren weiteres Schnabelwachstum vorerst im Zentrum weiter beobachtet werden muss. In Anbetracht wachsender Storchenbestände ist in den nächsten Jahren auch mit steigenden Pflegetierzahlen zu rechnen.

Als häufigster Gast unter den Wildvögeln fand die Amsel mit 159 Individuen den Weg in das NABU-Artenschutzzentrum. Obwohl bereits auch in den vergangenen Jahren schon auf hohem Niveau befindlich, erreichten die in der Auffangstation versorgten Reptilien mit 232 Tieren aus 32 Arten einen neuen Höchstwert. Ursächlich hierfür sind nach wie vor die gesetzlichen Bestimmungen, mit Hilfe derer eine wirksame Begrenzung des Massenverbrauchs von Reptilien nicht erreicht werden kann. Zusätzlich zu der genannten Anzahl an Reptilien kommen weitere 260 Europäische Sumpfschildkröten, die eigens für das NABU-Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt „Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte in Niedersachsen“ dieser Art gepflegt wurden. Mittlerweile ist die Zahl der ausgewilderten Tiere im Rahmen des Projektes auf 127 gestiegen.

NABU-Geschenk-Patenschaften leisten einen sinnvollen Beitrag, den heimischen Tierarten und Pflegetieren beizustehen. So unterstützen Sie die Rettung eines Weißstorches, Uhus, Mäusebussards oder einer Schleiereule im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde.

 

Die Auswertung über den Einzugsbereich des NABU-Artenschutzzentrums offenbarte, dass die meisten Tiere erwartungsgemäß aus dem Landkreis Gifhorn (689 Tiere) und den unmittelbar angrenzenden Landkreisen stammen. Dass viele Menschen aber auch bereit sind weitaus längere Strecke für ein hilflos aufgefundenes Wildtier zurückzulegen, belegt die Zahl von insgesamt 46 Herkunftslandkreisen oder kreisfreien Städten.

Die Gründe für die Einlieferung von hilflosen Tieren sind jedes Jahr sehr vielschichtig, wobei es einige große Blöcke gibt, die sich für die Vielzahl der Einlieferungen verantwortlich zeigen. Häufigste Ursache waren elternlos aufgefundene Jungtiere (736 Tiere), gefolgt von Kollisions- (263 Individuen) und Zivilisationsopfern (180 Tiere). Erst nach den Tieren, die Verletzungen durch andere Tiere erlitten haben (145 Tiere) oder ausgesetzt oder entwichenen Tieren (141 Tiere) waren, reihten sich im vergangenen Jahr die Witterungsopfer (99 Individuen) ein. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies etwa eine Halbierung solcher Fälle. Für Joachim Neumann, Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums, war das Wetter indirekt jedoch für deutlich mehr eingelieferte Notfälle verantwortlich: „Wir hatten zwar kaum Extremwetterlagen, dennoch war das Frühjahr sehr trocken und ab Ende Mai gab es einige starke Regenfälle. Das führte bei vielen Arten letztlich zu Nahrungsengpässen, so dass ein Teil der als verwaist eingelieferten Jungtiere aus Nahrungsmangel nicht von den Alttieren aufgezogen werden konnte“.

massiv verölter Höckerschwan
massiv verölter Höckerschwan

Bezüglich der Einlieferungszeiten zeigte sich auch im vergangenen Jahr ein gewohntes Bild. Fast genau ein Drittel aller Pflegetiere musste außerhalb der regulären Öffnungszeiten von 9:00 – 17:00 Uhr aufgenommen werden. Dies zeigt, wie wichtig eine 24-stündige Erreichbarkeit ist, um freiwillig geleistet, den Tieren schneller helfen zu können.

 

Als weiteres Aufgabenfeld ist im NABU-Artenschutzzentrum neben der Tierpflege auch die Umweltbildung von großer Wichtigkeit, wo im vergangenen Jahr 143 Veranstaltungen (ohne das Storchenfest gerechnet) mit 2.690 Teilnehmern durchgeführt wurden. So wurden u.a. 44 Seminare angeboten, 35-mal Geburtstag gefeiert oder auch 39-mal über das Zentrumsgelände oder durch das NSG-Viehmoor geführt.

 

„Alle Erwartungen übertroffen hat einmal mehr das alljährlich im April stattfindende Storchenfest, welches sich immer mehr zu einer regionalen Attraktion entwickelt“, berichtet Uwe-Peter Lestin als Vorsitzender des Förderkreises des NABU-Artenschutzzentrums. „Dieses Jahr wird es am 23. April stattfinden. Wer vorher schon wissen möchte was sich auf dem Schornstein bei Fridolin tut, kann dies, über eine Webcam verfolgen. Über die Startseite des NABU-Artenschutzzentrums unter www.nabuzentrum-leiferde.de kommt man zur Live-Cam.

 

Festzustellen ist, dass es einfach sehr viele Menschen sind, die sich für die Arbeit des NABU-Artenschutzzentrums interessieren oder sogar begeistern. Das zeigt uns vom Förderkreis, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass es sich lohnt, die hier geleistete Arbeit auch künftig im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Jeder ist aufgerufen diesem Beispiel zu folgen“.

 

 

Jahresbilanz 2015

Für die Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums ging ein schwieriges Jahr vorüber. „Wir stehen Jahr für Jahr vor der Herausforderung“, berichtet Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums, „da wir gerade in der Hauptsaison mit einer sehr begrenzten Personaldecke auskommen müssen. Bedingt durch die Laufzeiten des BFD, FÖJ und der Ausbildung haben wir mitten in der Hauptsaison den größten Personalwechsel. Da zudem die Personalkosten steigen, sind wir zunehmend auf zusätzliche Gelder und Patenschaften für unsere Pfleglinge angewiesen. Allen Unterstützern einen herzlichen Dank.“ 

Einem Weißstorch werden über 100 Gummibänder aus dem Hals entfernt!
Einem Weißstorch werden über 100 Gummibänder aus dem Hals entfernt!

Die zahlenmäßig größte Gruppe unter den Pflegetieren wurde wie in jedem Jahr von den heimischen Wildvögeln gebildet, welche sich auf 1.361 Tiere aus 83 Arten summierten. Der Anteil der Greifvögel und Eulen lag hierbei bei 153 Tieren, wobei die Eulen bezüglich der letzten Jahre im NABU-Artenschutzzentrum einen positiven Trend aufweisen. Ähnliches gilt für den Weißstorch, der mit 44 Individuen zugegen war. Extrem war im vergangenen Jahr der Fall des Gummibandstorches und des angefahrenen Storches, dessen Verursacher sich trotz Kollision beim Telefonieren im Auto nicht stören ließ und den schwerverletzten Storch im Graben liegen ließ. Außergewöhnlich hoch (174) war die Zahl der zu versorgenden Mauersegler, die hitzebedingt ihre Nester viel zu früh verließen.

Ein gepflegter Mauersegler von 174!
Ein gepflegter Mauersegler von 174!

Beständig auf hohem Niveau verweilt die Zahl der im NABU-Artenschutzzentrum versorgten Reptilien (und Amphibien). Diese summierten sich auf 179 Tiere aus 28 Arten, wobei die Schwierigkeiten bezüglich der Weitergabe sowohl geschützter als auch ungeschützter Arten seit Jahren zunehmend Sorgen bereiten, da sich eine artgerechte Vermittlung immer schwieriger gestaltet.

 

Zusätzlich zu den 179 genannten Pfleglingen, befanden sich im vergangenen Jahr weitere 267 Europäische Sumpfschildkröten in der Obhut des NABU-Artenschutzzentrums. Hierbei handelte es sich größtenteils um Jungtiere, welche dem NABU für das laufende Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt in Niedersachsen von Züchtern zur Verfügung gestellt wurden. Fünfzig dieser Tiere konnten im vergangenen Jahr ausgewildert werden.

Erdmännchen
Erdmännchen

Als weitere, zahlenmäßig starke Gruppe wurden insgesamt 305 Säugetiere aus 22 Arten versorgt. Unter ihnen befanden sich allein schon 170 Igel, die für reichlich Arbeit im NABU-Artenschutzzentrum sorgten. Als Überraschungsgast wurde Mitte Mai ein afrikanisches Erdmännchen aufgenommen, welches seinen Besitzern entkommen war.

 

Die Auswertung über die Herkunft der gepflegten Tiere zeigte einmal mehr, dass der Einzugsbereich des NABU-Artenschutzzentrums weit über die benachbarten Landkreise hinausreicht. Insgesamt wurden dem Zentrum die Pfleglinge aus 45 Landkreisen überbracht.

Unter den Einlieferungsursachen war auch im vergangenen Jahr der „Verlust“ der Elterntiere der häufigste angegebene Grund (665 Tiere). Auf Platz zwei der Einlieferungsursachen rangierten auch im Bezugsjahr traditionell die Kollisionen (204 Tiere) mit Kraftfahrzeugen und Scheiben. Ungewöhnlich hoch und somit auf Platz drei lag hingegen die Zahl der Witterungsopfer, die sich auf 193 Tiere belief. Für Joachim Neumann, Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums, war nicht nur die hohe Zahl an Witterungsopfern auffällig, sondern vor allem die Art und Weise, wie diese zu Stande kam: „Im letzten Jahr war die hohe Zahl an Witterungsopfern auf extrem heiße Temperaturen Ende Juni zurückzuführen. Betroffen waren vor allem Schwalben und Segler, die unter den Dächern brüten, und deren Jungen, um dem Hitzetod zu entgehen, frühzeitig aus ihren Nestern sprangen“. 

Entgegen der Auswertung der Einlieferungsursachen brachte die Auswertung über die Einlieferungszeiten keine Überraschungen. Fast genau ein Drittel aller Pflegetiere erreichten das NABU-Artenschutzzentrum außerhalb der regulären Öffnungszeiten von 9:00 bis 17:00 Uhr, was in etwa den Werten der vergangenen Jahre entsprach und die Notwendigkeit einer 24-stündigen Erreichbarkeit untermauert.

 

Über die Tierpflege hinaus liegt ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des NABU-Artenschutzzentrums im Bereich der Umweltbildung. Diesbezüglich fanden im abgelaufenen Jahr 121 Veranstaltungen statt, an denen 2.209 Personen teilnahmen. Anders als in den Vorjahren, in denen regelmäßig die Kindergeburtstage am häufigsten durchgeführt wurden, fanden im vergangenen Jahr erstmals mehr Seminare (46) als Geburtstage (30) statt. Darüber hinaus wurden weitere 24 Termine für Führungen oder Exkursionen angeboten. 

Ein besonderes Erlebnis war im vergangenen Jahr das alljährlich stattfindende Storchenfest. Uwe-Peter Lestin, der Vorsitzende des Förderkreises des NABU-Artenschutzzentrums, ist immer noch begeistert, wenn er an das Storchenfest des vergangenen Jahres zurückdenkt: „Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal dermaßen viele Menschen (geschätzte 4.700 Personen) auf dem Gelände des NABU-Artenschutzzentrums gesehen zu haben. Für mich ist das ganz klar ein Beleg dafür, dass das NABU-Artenschutzzentrum und die hier geleistete Arbeit in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert aufweisen. Damit das auch so bleibt wird der Förderkreis seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen und das NABU-Artenschutzzentrum auch in Zukunft nach Leibeskräften unterstützen “.

 

 

 

Chronik des Zentrums

1979 Auf Initiative von Peter Mannes, dem Stationsgründer, kauft der DBV mit Landesmitteln das etwa 3000 m² große Grundstück der alten Molkerei. Beginn des Engagements mit über 100 Arbeitsstunden für Aufräumarbeiten.

 

1980 Arnold Kinas übernimmt die Arbeitsorganisation der Aufräum- und Umbauarbeiten.

 

1981 Es werden zwei Zivildienststellen eingerichtet. Aufnahme des ersten Wildvogels.

 

1982 Ausbau eines Seminarraumes.

 

1983 Anschaffung eines Fahrzeuges, welches gemeinsam vom BUND, DBV und der Vogelpflegestation genutzt wird.

 

1985 Anstellung des Tierpflegers Olaf Lessow. Erste öffentliche Stationsführung im Juli 1985. Ausbau eines Aufzucht- und eines Quarantäne-Raumes im vorderen Wirtschaftstrakt.

 

1986 Der erste "Tag der offenen Tür" (Sommerfest) wird ins Leben gerufen und von etwa 1.300 Besuchern wahrgenommen. Der Dachboden des Wirtschaftstraktes wird ausgebaut.

 

1987 Berthold Bzdak wird im Rahmen einer AB-Maßnahme als Koordinator für die Vogelpflegestation angestellt. Die Öffnungszeiten der Station sind ausschließlich Samstags und Sonntags von 8:00-17:00 Uhr.

 

1988 Gründung des Fördervereins. Eine ABM-Kraft für Verwaltungsaufgaben wird angestellt.

 

1989 Öffnungszeiten täglich von 8:00-17:00 Uhr. Aufstellung zweier Telegrafenmasten als Nisthilfen für Weißstörche im Freigehege.

 

1990 Erweiterung des Geländes durch Ankauf des Nachbargrundstückes (West) durch den NABU-Landesverband. Namensänderung vom DBV zum Naturschutzbund.

 

1991 Die Station wird vom Landkreis als Landschaftspflegehof genutzt. Der Parkplatz an der Westseite mit 22 Einstellplätzen wird eingeweiht.

 

1992 Peter Mannes stirbt am 11.03.1992 im Alter von 45 Jahren. Petra Stalf übernimmt kommissarisch die Stationsführung. Abschluss eines Kooperationsvertrages mit dem Land Niedersachsen bezüglich der Aufnahme beschlagnahmter, exotischer Wildtiere. Namensänderung in „NABU-Artenschutzzentrum“. Errichtung eines Reptilienraumes.

 

1993 Wolfgang Rades wird erster hauptamtlicher Stationsleiter des heutigen NABU-Artenschutzzentrums. Das Dach des Hauptgebäudes wird neu gedeckt, der Schornstein wird saniert.

 

1994 Baubeginn der Nordvolieren. Die erste Viehmoorexkursion findet statt. Elisabeth Tonagel übernimmt hauptamtlich die Verwaltung.

 

1995 Einweihung des Exotentraktes für Papageien. Fertigstellung zweier Freigehege.

 

1996 Das 10.000 Quadratmeter große Erweiterungsgelände wird umzäunt und bepflanzt.

 

1997 Baubeginn des Storchenhauses. Installation einer Videokamera auf dem Dach des Hauptgebäudes zur Beobachtung der Wildstörche auf dem Molkereischornstein. Der Kinderklub, kurz "Kiki-Klub", wird durch Petra Stalf ins Leben gerufen.

 

1998 Vor dem Hauptgebäude wird ein Bauerngarten angelegt. Bärbel Rogoschik verstärkt das Team des NABU-Artenschutzzentrums.

 

1999 Das Storchenhaus mit Wurzelraumkläranlage wird eingeweiht.

 

2000 Baubeginn der Westvolieren. Einsatz in Frankreich zur Rettung verölter Vögel nach einem Tankerunglück.

 

2001 Einweihung der Westvolieren. Bärbel Rogoschik übernimmt die Leitung des Zentrums. Joachim Neumann, der schon als ZDL im Zentrum tätig war, unterstützt zeitweise das Team.

 

2002 Fertigstellung der Nordvolieren. Ausbau eines Lager- und eines Überwinterungsraumes. Baubginn der Freilandterrarien. Karin Brech verstärkt das Team in der Umweltbildung.

 

2003 Vertragsunterzeichnung zwischen dem Land Niedersachsen und dem NABU-Artenschutzzentrum zur finanziellen Unterstützung der nächsten 5 Jahre. Einweihung der Freilandterrarien. Baubeginn der ersten Rundflugvoliere. Die Dachgeschosswohnung wird zur Praktikanten/innen-, FÖJ-Wohnung umgebaut. Der Landkreis erstellt 5 Fahrradgaragen mit Überdachung auf dem Zentrumsgelände.

 

2004 Fertigstellung und Einweihung zweier Rundflugvolieren zum Training verletzter Greifvögel. Baubeginn einer „Weidenhütte“ durch das BVJ der BBS II Gifhorn.

 

2005 Fertigstellung der Weidenhütte. Eine 10.000 Liter- Zisterne zur Regenwassernutzung wird in die Erde gebracht und angeschlossen. Darüber wird eine Beobachtungsplattform gebaut. Der erste Ausbildungsplatz zum Zootierpfleger wird geschaffen.

 

2006 Fertigstellung und Einrichtung eines Schildkröten-Quarantäneraumes. Bau einer neuen Uhuvoliere im nordwestlichen Teil des Geländes.

 

2007 Das 33.333 Pflegetier - eine Schleiereule - wird eingeliefert und 14 Tage später wieder in die Freiheit entlassen. Auf dem Gelände entstehen in Eigenarbeit zwei je 90 m² große Naturteiche aus Ton zur besseren Rekonvaleszenz von Feuchtgebietsbewohnern wie Störchen, Reihern, Tauchern etc.

 

2008 Olaf Lessow, Tierpfleger seit 1985, stirbt im September im Alter von 48 Jahren. Karin Brech aus der Umweltbildung geht krankheitsbedingt in den Vorruhestand.

 

2009 VW unterstützt das Zentrum mit der Leihgabe eines Transporters. Im Bereich des hinteren Betriebshofes entsteht eine neue L-förmige Überdachung sowie 2 kleinere Außenvolieren zur Unterbringung junger Singvögel.

 

2010 Völlig veraltete Dachfenster werden im Tierbetrieb gegen neue ausgewechselt. Bedingt durch die extreme Hitze muß erstmals ein Aufnahmestopp für Jungvögel verhängt werden, da die Kapazitäten ausgereizt sind. Im Landschildkrötenraum wird die Elektrik komplett saniert und angepasst. Zur Präsentation des Zentrums werden 4 Stellwände entwickelt. Der Zivildienst wird auf 6 Monate verkürzt.

 

2011 Die Elektrik im Bereich des Aufzuchtraumes wird erneuert. Zum Ende des Jahres werden die völlig veralteten "Ostvolieren" abgerisssen. In der ersten Etage des Haupthauses entstehen weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Praktikanten. Der Zivildienst endet mitte des Jahres. An seine Stelle rückt der Bundesfreiwilligendienst.

 

2012 An der Ostseite des Gebäudes entsteht ein Anbau für die zukünftige Haltung von Europäischen Sumpfschildkröten. Parallel dazu wird auf dem Wiesengelände eine Außenanlage für Selbige begonnen. Der letzte ehemalige Zivildienstleistende von 2011 beginnt seine Ausbildung zum Zootierpfleger.

 

2013 Wetterkapriolen führen u.a. zu einem Feuchtgebiet im Keller, zerstörte Dachflächenfenster und Überdachungen sowie zu zahlreichen Witterungsopfern. 2 weitere Ausbildungsstellen werden ins Leben gerufen. Die "großen" Baumaßnahmen für den Anbau sind beendet und der Innenausbau wird durchgeführt.

 

2014 Lisa Tonagel hat 20jähriges Dienstjubiläum. Durch eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer, kommt es zu einem ordentlichen Riß im Fundament des Haupthauses, verbunden mit einer Hochwölbung des Holzparketts im Seminarraum.  Daraufhin muß der Boden saniert werden. Die ersten Europäischen Sumpfschildkröten, die in Niedersachsen ausgestorben waren, werden ausgewildert.

 

2015 Wenig Insekten, hohe Temperaturen und Trockenheit lassen den Sommer für die Pfleglinge und Mitarbeiter  nicht einfach werden. Im Rahmen des Sumpfschildkrötenprojektes werden in Niedersachsen erneut Tiere ausgewildert.

 

2016 Bedingt durch die Vogelgrippe, müssen über 100 Vögel aufgestallt werden. Das Gelände wird für Besucher geschlossen. Familie Fridolin kann über eine neue Webcam beobachtet werden.

 

2017 Mit 2414 Pfleglingen die zweithöchste Tieranzahl seit der Gründung der Station. Erstmals wurden über 500 Reptilien versorgt.