Weißstörche

Schon seit Gründung der Station vor über 30 Jahren, zählen Weißstörche zu den Pfleglingen des Zentrums.

Mittlerweile wurden über 400 Weißstörche von hier ausgewildert.

 

 

Storchenrückmeldungen aus dem Jahr 2018

Jedes Jahr werden in Europa ca. 4 Millionen Vögel beringt. Noch immer gibt es reich­lich Informationsbedarf, gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, der Neo­zoen­­problematik oder der Vogelgrippe.

 

Für das NABU-Artenschutzzentrum hat die Beringung noch eine andere Bedeutung. Auf diese Art und Weise ist es möglich nach der Auswilderung, in manchen Fällen, noch etwas über die ehemaligen Pfleglinge zu erfahren und die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen.

 

 

Eine für uns wunderbare Rückmeldung erhielten wir 2018 von 4T434 einem Weißstorch, den wir im Jahr 2015 aus Hohne (Landkreis Celle) mit massenweise verschluckten Gummibändern bekommen hatten. Nach erfolgreicher Entfernung dieser Fremdkörper flog der Jungstorch ein paar Wochen später ab. 2018 wurde er, mittlerweile erwachsen, in Osloß (Landkreis Gifhorn) und auf der Deponie Wolfsburg abgelesen, wo er hoffentlich keine erneuten Fremdkörper aufnahm.

 

 

 

Eine weitere Sichtung eines Weißstorches erhielten wir von 4T802. Dieser war im Jahr 2015 als Nesthäkchen einer Fünferbrut aus Vechelde gebracht worden und konnte noch im selben Jahr gen Süden starten. Drei Jahre später wurde er im März in Ausbüttel, im Juni bei Isenbüttel und im August bei Braunschweig auf der Deponie und in den Rieslfeldern sowie der Okeraue beobachtet.

 

 

 

Die nächste erfreuliche Rückmeldung stammt von 5T280. Dieses adulte Storchen­weibchen wurde im Jahr 2015 traumatisiert nach einem Orkan in Gifhorn – Käsdorf aufgegriffen und in das NABU-Artenschutzzentrum gebracht. Fünf Tage später konnte sie auf die Storchenwiese des Zentrums umziehen, flog dort nach kurzer Zeit ab und wurde weitere 6 Tage später wieder bei ihrer Familie am Neststandort ange­troffen, um sich erneut der Pflege der Jungstörche zu widmen. Regelmäßig, so auch 2018, ist sie mit ihrem Partner auf dem Nest in Käsdorf anzutreffen und zieht dort jedes Jahr Junge groß.

 

 

 

Ein interessanter Fall war 5T413. Dieser Jungstorch aus Jembke verunglückte wohl bei seinen ersten Ausflug aus dem Nest und wurde regungslos darunter geborgen und ins Zentrum gebracht. Hier stellte sich eine einseitige Hornhauttrübung heraus, die vielleicht die Ursache des Unfalls gewesen sein könnte. Das Auge des Storches wurde mehrere Wochen behandelt. Leider musste er zwangsernährt werden, da er selbstständig keine Nahrung aufnehmen wollte. Zwei Monate später konnte der Storch endlich auf die Anlage gesetzt werden. Da sein Auge immer noch eingetrübt war, wurde er beschnitten, um ein fortfliegen zu verhindern. Im Laufe des Jahres 2017 verschwand die Trübung vollständig und der Storch konnte auf beiden Augen wieder sehen. In Folge dessen wurde er freigelassen. Im März 2018 wurde er in einem Trupp von 15 Störchen in Braunschweig – Watenbüttel auf dem Kompost­haufen der Deponie beobachtet. Im Zeitraum Mai bis Juli hielt er sich zur Nahrungs­suche meist im Trupp mit Artgenossen im Großraum der Deponie auf. Mitte August sogar mit 48 Artgenossen auf der Deponie Salzgitter.

 

 

 

Meist „landen“ Jungstörche im NABU-Artenschutzzentrum, da diese bedingt durch diverse Faktoren während ihrer Aufzucht leichter in Mitleidenschaft gezogen werden können.

 

Adulte, d.h. erwachsene Exemplare werden vorwiegend durch Revierstreitigkeiten verwundet. So wahrscheinlich auch bei einem Weißstorch aus Isenbüttel/Wasbüttel, der mit hängendem Flügel und humpelnd eingeliefert wurde. Erfreulicherweise konnte der Vogel nach 5 Wochen die Station wieder verlassen und abfliegen. Einige Wochen später wurde das Tier auf Nahrungssuche auf der Deponie Braunschweig abgelesen.

 

  

 

Der Sommer 2018 machte es einigen Störchen schwer ihre Jungen zu versorgen. Daher gab es auch immer wieder Brutabbrüche.

 

 

 

So in Bockelskamp (LKr. Celle) wo erst ein Jungstorch abgeworfen wurde und dann das Weibchen das Nest auf Dauer verließ. Beide Jungstörche, der eine erst 293g schwer, wurden zur Aufzucht nach Leiferde gebracht und aufgezogen. Die Ge­schwister zogen im Herbst nach Süden und wurden zusammen im Oktober in Frank­reich in Chalon, wo sie sich auf dem dortigen Marktplatz umschauten und eine Woche später in St. Dier d`Auvergne beobachtet.

 

 

 

Auch in Kaiserwinkel (Landkreis Gifhorn) kam es 2018 zu einem Brutabbruch, wahr­scheinlich auf Grund der trockenen Wetterlage. Die Eltern verließen ihre circa 10 Tage alten Jungtiere, die in ihrer Not aus dem Nest sprangen. Ein Jungtier konnte lebend geborgen werden (123 g), wurde im Zentrum großgezogen und flog Ende des Sommers nach Süden. Ende Oktober wurde der Jungstorch in Frankreich Bourg-en-Bresse abgelesen.

 

 

 

Besonders schön ist es, wenn man eine Rückmeldung bezüglich eines im Brut­apparat geschlüpften Storches bekommt, den man vom ersten Lebenstag an beglei­tet hat. So schlüpfte im Jahr 2015 ein kleiner Storch, der im selben Jahr abflog. 2018 versuchte er in Leiferde auf einer gekappten Eiche ein Nest zu bauen, was misslang. Von Juni bis August hielt er sich dann im Bereich der Deponie Braunschweig zur Nahrungssuche auf.

 

 

 

Ebenfalls im Brüter schlüpfte 2012 ein Jungstorch und flog im selben Jahr ab. Seit 2014 überwintert er jedes Jahr in Frankreich, nur wenige Kilometer von der spani­schen Grenze entfernt, während er den Sommer in der Elb­region kurz vor Hamburg verbringt.

 

 

 

Im Jahr 2012 wurde ein Jungstorch aus Uetze mit gebrochenem Schlüsselbein eingeliefert, der nach seiner Genesung noch im selben Jahr das Zentrum verließ. Rückmeldungen von seinem Zugweg liegen aus Frankreich (2012 und 2016) und Spanien (2014) vor. Sein Sommerquartier hat der Weißstorch alljährlich nordwestlich von Minden aufgeschlagen, wo er seit 2015 Brutvogel ist.

 

 

 

 

Storchenrückmeldungen aus dem Jahr 2017

 

Große Freude machte uns die Meldung eines im Jahr 2012 ausgewilderten, damals diesjährigen, Schwarzstorches aus dem Raum Celle. Er wurde schon im Oktober 2015 in Ungarn, auf seinem Zug in den Süden abgelesen und wurde, im August 2016, im Raum Magdeburg bei der Nahrungssuche beobachtet. Im August 2017 zog er erneut über Ungarn und wurde in der großen ungarischen Tiefebene abgelesen.    

 

Ein „alter Bekannter“ ist Weißstorch 1x357, der als Jungtier im Jahr 2003 vom Zen­trum abflog. Insgesamt liegen schon 33 Rückmeldungen über die Jahre vor. Dieser in Niedersachsen geschlüpfte Storch lebt seit 2006 im „Sommer“ in der Umgebung von Schönborn (Sachsen) und zieht mit seiner Partnerin jedes Jahr Nachwuchs groß, so auch im Jahr 2016, wo 3 Jungstörche ausflogen. Im Jahr 2017 wurde er auf seinem Zug in den Rheinauen bei Bislich (NRW) abgelesen. Interessant dabei ist, dass er im Osten brütet aber über die Westroute in sein Winterquartier zieht.  

  

Ein im Jahr 2010 vom Zentrum ausgewilderter Weißstorch 5x573, der schon 49 mal abgelesen werden konnte, erbrachte winterliche Meldungen aus Spanien, während er in den letzten Jahren in Leiferde bzw. Vollbüttel erfolgreich brütete. Auch im Jahr 2017 brütete das Weibchen erfolgreich in Vollbüttel, besuchte nach der Brutsaison mit dem Partner das Artenschutzzentrum und wurde ende August an der Okeraue und den Braunschweiger Rieselfeldern gesichtet.

 

Ein besonderer Fall stellte für die Mitarbeiter ein Jungstorch dar, der aus dem Elb­bereich im Alter von ca. einer Woche ins Artenschutzzentrum kam, da er aus dem Nest geschmissen wurde. Dies alles war nicht so ungewöhnlich, jedoch lag der Schlupfzeitpunkt dieses Jungvogels äußerst spät, da er erst Ende Juni die Eierschale verließ. Normalerweise schlüpfen junge Störche, je nach Ankunft der Elterntiere, ab dem letzten Aprildrittel bis zu Beginn des Junis. Somit waren alle gespannt, wie sich der Nachkömmling entwickelt und ob er rechtzeitig abfliegen würde. Allen Be­fürchtungen zum Trotz schaffte 8x494 den rechtzeitigen Abflug und wurde sogar im Oktober mehrfach in Frankreich abgelesen. Im Januar 2016 tauchte er in der Nähe von Madrid in Spanien auf, wo er auch im November wieder abgelesen werden konnte. Mitte April 2017 wurde er in Winsen Luhe beobachtet.

 

Ox642 schlüpfte 2012 im Brüter des Artenschutzzentrums und flog im selben Jahr ab. Sein Winterquartier ist alljährlich ein Gebiet in Frankreich, nur wenige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt, während er den Sommer in der Elb­region in Niedersachsen/Hamburg verbringt. Insgesamt wurde er 42 mal abgelesen.

 

Im Jahr 2013 wurde uns ein Jungstorch (8x452) aus Warmenau unterkühlt und schwach eingeliefert, der im selben Jahr ausgewildert wurde und in Thüringen abge­lesen werden konnte. Als einjähriger Weißstorch wurde er 2014 in Brandenburg be­obachtet. 2017 gab es 2 Sichtungen von dem Storch aus der Nähe von Leipzig.

 

2015 zogen wir einen nestjungen, aus dem Horst geworfenen Weißstorch aus Rühen groß, 8x487. Dieser wurde im August des Folgejahres in Deggendorf, Niederbayern, und bei Leipzig angetroffen. 2017 zog es den Storch noch weiter östlich, wo er im Mai bei Netin, Tschechien abgelesen wurde.      

 

Ein im Jahr 2016 geschlüpfter Jungstorch 6T397 wurde uns mit einem schief ver­heilten Ständerbruch eingeliefert. Nach Behandlung der Verletzung in der Tier­ärzt­lichen Hochschule, welche an der Schiefstellung leider nichts ändern konnte, ver­brachte der Storch den nächsten Winter zu Beobachtung im Zentrum. Im Frühjahr 2017 flog er ab und wurde im September in Frankreich mit anderen Störchen zusam­men beobachtet.

 

Sehr interessant war die Meldung eines Weißstorches, der als adultes Tier 1996 im Zentrum gepflegt wurde. Im September 2017 tauchte er in Frankreich, unweit der spanischen Grenze auf. 7650 Tage nach der Beringung sein erstes Lebenszeichen.