Das Telefon klingelt fast durchgängig. Im Hof vor der Tierannahme stehen Familien, Paare oder Einzelpersonen. Alle haben einen kleinen Karton in der Hand, den sie sehr vorsichtig vor sich hertragen. Auf dem Parkplatz gibt es ein Kommen und Gehen.
An der Tierannahme des NABU-Artenschutzzentrums ist eine gewisse Anspannung zu spüren. Kartons werden entgegengenommen, Karteikarten ausgefüllt, Neuzugänge auf ihren Gesundheitszustand beurteilt.
Im Aufzuchtraum dann der Hochbetrieb: Füttern, füttern, füttern, den ganzen Tag lang bei Temperaturen wie in der Sauna.
„Das geht seit vielen Tagen so“, berichtet Bärbel Rogoschik vom NABU-Artenschutzzentrum. „Die letzten drei Tage war es jedoch besonders schlimm. Es mussten 275 Neuzugänge aufgenommen werden“. 99 Prozent Jungtiere, die fast alle von der großen Hitze betroffen waren. Die Hälfte der Neuzugänge setzen sich aus Mauerseglern und Mehlschwalben zusammen, die als Dachbewohner unter den Dachpfannen bzw. am Haus ihre Nester haben.
Die noch nicht flugfähigen Jungtiere haben es in der Gluthitze nicht ausgehalten und sind mit letzter Kraft aus dem Nest geklettert. Wenn Sie Glück hatten, sind sie nicht auf einem Betonboden gelandet, sondern wurden noch lebend gefunden und ins NABU-Artenschutzzentrum gebracht. „Unsere Mitarbeiter haben Unglaubliches geleistet“, berichtet Rogoschik weiter, „und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Daher können wir durch die Vielzahl an Pfleglingen zurzeit nur noch die akuten Notfälle aufnehmen. Wir hoffen alle, dass jetzt der Hitzepeak vorbei ist und wir in den nächsten Wochen die Unmengen an Vögeln großziehen können, um sie letztendlich auszuwildern“.
